Ich komme aus Otterndorf an der Nordseeküste, und seit ich denken kann standen Sport und Natur bei mir an erster Stelle.
Ich lebe in Hamburg, arbeite seit vielen Jahren mit Menschen und war selbst lange der, der abends noch mehrfach aufs Display geschaut hat, obwohl nichts kam.
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Nagomi ist ein japanisches Wort für Ruhe, emotionale Balance und friedliche Harmonie. Anders als „Entspannung“ beschreibt es keinen Zustand, in dem nichts passiert. Es beschreibt ein Gleichgewicht, das entsteht, wenn Gegensätze nebeneinander Platz haben: Anspannung und Ruhe, Nähe und Alleinsein, Anstrengung und Nichtstun.
Genau darin liegt der Unterschied zu dem, was uns sonst versprochen wird. Wir sollen uns entscheiden - mehr Leistung oder mehr Erholung, immer erreichbar oder komplett offline. Nagomi geht davon aus, dass Zufriedenheit nicht am einen oder anderen Ende entsteht, sondern in dem Verhältnis, in dem beides zueinander steht. Man muss nichts abschaffen. Man muss es ins Gleichgewicht bringen.
Deshalb heißt mein Projekt so. Es geht nicht darum, das Handy zum Feind zu erklären oder ein Leben ohne Bildschirm zu propagieren. Es geht um das Verhältnis: wie viel Aufmerksamkeit nach außen geht und wie viel bei dir bleibt, wie viel Zeit am Gerät hängt und wie viel bei anderen Menschen und draußen. Ein Echtzeit-Tag stellt dieses Verhältnis für acht Stunden auf die andere Seite, damit du den Unterschied spürst statt ihn nur zu kennen. Was danach bleibt, ist keine Regel, sondern ein Maß. Du weißt, wie es sich anfühlt, wenn es stimmt - und merkst früher, wenn es kippt.
Bei Nagomi geht es nicht darum mit Yoga, Bogenschießen, Tauziehen oder DIY-Projekten für Ablenkung zu sorgen, sodass man das Handy zwischenzeitlich vergisst. Denn dies mag sicherlich für viele Menschen den selben Effekt wie zwei Wochen Urlaub haben - aber nachhaltig ist es nicht. Ich habe auf sämtlichen Abenteuer-Reisen, die ich als Teamleiter begleitet habe, den positiven Effekt von handyfreier Zeit hautnah erlebt. Sobald wir jedoch wieder in der urbanen Umgebung ankamen, waren die meisten Teilnehmer*innen nicht mehr vom Handy wegzukriegen.
Die Erkenntnis, dass man das Handy weniger häufig braucht, als man denkt und wie gut es tut nicht erreichbar zu sein, wirkt in der Regel noch ein bis zwei Wochen nach. Doch dann ist alles wieder wie zuvor: Tagsüber bei der Arbeit vor dem Bildschirm und abends Doomscrolling. Nagomi ist nachhaltig. Es geht darum eine gesunde Balance zwischen Handyverzicht und -nutzung zu schaffen und die Kontrolle über ebendiesen Gebrauch zurückzuerlangen.